
Die lange italienischen Halbinsel erstreckt sich vom Herzen Europas bis hin zum Zentrum des Mittelmeeres, unweit der afrikanischen Küste. Diese glückliche Lage führt dazu, daß die Eigenschaften der Landschaft den jeweiligen Breitengraden entsprechen. So weisen auch die italienischen Seen, je nach der Region, in der sie sich befinden, starke Unterschiede in ihrer Natur und in ihrem Klima auf. Die Seen im Norden Italiens, die an den Füßen der Alpen liegen, gehen großteils auf die Eiszeit zurück, wie der Lago di Garda (der größte in Italien), der Lago di Como (der tiefste), der Lago Maggiore, der Lago d´Orta und der Lago d´Iseo. Die Landschaft um diese Seen herum ist größtenteils alpin und dank des milden, von den Seen bestimmten Klimas und der umliegenden Berge, ideal für den Sommerurlaub. Auch im Winter ist die Temperatur dank der Seen fast frühlingshaft.
In der Nähe der Ufer des Gardasees stechen das Röhricht und die zahlreichen Wasserpflanzen hervor. Im Gebiet der Valtenesi und des Lago s´Iseo blühen in den Monaten Mai-Juni die Seerosen. Neben den Seen, die wir noch genauer betrachten werden, wollen wir einige kleinere Seen, nennen, die aber deshalb für den Touristen nicht weniger interessant sind.


Beginnen wir mit den Regionen Piemont und Lombardei.
Im Zauber der sanften Landschaft der Canavese stechen fünf Seen hervor, die nördlich von Ivrea liegen und ringförmig aufeinanderfolgen: die Seen Campagna, San Michele, Sirio, Pistono und Nero. Wenn man an den Ufern dieser Seen entlangläuft, die durch Moränen gebildet wurden, betritt man zwischen Gärten und am Hang liegenden Weinbergen, Birken- und Eichenwälder.
Ein weiterer See, der auf Moränen zurückgeht, ist der Lago Candia, südlich von Ivrea.
Malerisch ist der Lago di Mergozzo in der Nähe des Lago Maggiore.
Zwischen den bewaldeten Höhen, Ufern und Röhricht, findet man nahe beim Lago di Varese zwei kleine blaue Perlen, den Lago di Monate und den Lago di Comabbio.
Unter den Seen, die sich in einer typischen Berlandschaft befinden, weisen wir auf den Lago di Lugano hin, der Zwischen der Schweiz und Italien liegt. Die Ecke der Valsolda, auf der Italienischen Seite, scheint ein Gemälde mit tausend Farbabstufungen zu sein. Das milde Klima und die Präsenz des Casinos von Campione d´Italia sind zwei wichtige Attraktionen für den Tourismus. Zwischen den beiden Armen des Lago di Como kann man an den kleinen Seen der Brianza Halt machen: Montorfano, Alserio, Pusiano und Annone. In der Gegend von Bergamo, umgeben von einer Alpenlandschaft, öffnet sich zwischen Abgründen und Felsvorsprüngen der Blick auf den Lago di Endine.
Wer die Überraschung liebt, darf nicht auf einen Besuch der Laghi di Mantova verzichten, die durch die "Dreiteilung" des Flusses Mincio entstanden sind. Man plant, das Gebiet der drei Seen, die Teil des Naturparks von Mincio sind, zum Schutzgebiet zu erklären.

In Trentino machen die Seen eine der wichtigsten landschaftlichen Eigenschaften aus. Insgesamt sind es 297 mit einer Gesamtoberfläche von 35 qkm. Ihre Höhenverteilung ist interessant, sie reicht von 65 m Höhe des Gardasees bis auf 1200 m Höhe und umfasst insgesamt 40 Seen mit einer Gesamtausdehnung von 32 Mio. qm. Ab 1200 Höhe keinen See mehr, darüber liegen dann nochmals 257 Seen, deren Gesamtoberfläche allerdings nur 3 Mio. qm beträgt. Viele dieser hoch gelegenen Seen haben die typisch alpine Rundform und eine sehr ruhige Oberwasserspeisung, daher auch ihre Klarheit. Aufgrund diesen Seenreichtums wird Trentino auch als das "Finnland Italiens" definiert.
Auf den nachfolgenden Seiten bieten wir einen kurzen Überblick über die schönsten und am besten ausgestatteten Seen Norditaliens in einer Rundfahrt durch Geschichte, Kunst und Alltag eines wichtigen Teils der italienischen Halbinsel. Eine ausgezeichnete Möglichkeit hierzu wird vom staatlichen Unternehmen "Navigazione Laghi" angeboten, das mit seinen Schiffen neben dem Transport auch Rundfahrten und Ausflüge auf den vier größten Seen Norditaliens anbietet: dem Lago Maggiore, dem Lago di Como, dem Lago d´Iseo und dem Lago di Garda. Hierzu verweisen wir auf S.21.
Die Seen von Avigliana,
die in der Eiszeit gebildet wurden, befinden sich etwa 2 km vom Zentrum Aviglianas entfernt und sind durch einen Landstrich getrennt. Der größere der beiden Seen heißt Lago Grande, oder auch Lago di Avigliana, während der kleinere Lago Poccolo, oder aber Lago di Trana genannt wird. In der Umgebung befindet sich ein wunderschöner Naturpark mit außergewöhnlicher Fauna und Flora, der auch hoch zu Roß besucht werden kann.
Der erste See befindet sich auf 352 m Höhe, hat eine Ausdehnung von 0,84 qkm und ist bis zu 32 m tief. Der zweite liegt auf 356 m Höhe und hat eine Oberfläche von 0,58 qkm.
Die hauptsächlichen touristischen und sportlichen Aktivitäten spielen sich an den Ufern des Lago Grande ab, während die Landzunge vornehmlich zum Campen genutzt wird.
Avigliana ist vielleicht keltischen Ursprungs und der Name der Stadt scheint mit der Bienenzucht in Verbindung zu stehen, die in römischer Zeit eine wichtige Handelsaktivität dargestellt haben muß. Im Mittelalter erbauten die Mönche der nahegelegenen Abbazia della Novalesa hier ein Hospital, in dem jene Pilger aufgenommen wurden, die von Frankreich nach Rom reisten. 1045 ging das Hospital in den Besitz der Familie Savoia über und war bis zum Jahr 1418 deren Residenz.
Wir empfehlen einen Besuch der Chiesa di San Giovanni (XII.-XIV. Jh.) mit Fresken aus dem XV. Jahrhundert und einer geschnitzten Kanzel. Die auf das Ende des XVI. Jahrhundert datiert ist. Außerdem sind die Casa della Porta Ferrata mit gotischen Bögen und Doppelbögen, die Casa die Savoia (XV. Jh.), die Casa del Beato Umberto III. (XII. Jh.) und die Chiesa di San Pietro (X.-XI. Jh.) sehenswert. In der Umgebung befindet sich di egotische Kirche, die Sant´Antonio di Ranverso (XII.-XV. Jh.) gewidmet ist und in der Gemälde von Jaquerio (XV. Jh.) und von Ferrari (XVI. Jh.) zu sehen sind. Auf keinen Fall sollte man die Sacra di San Michele versäumen, die auf fast 1000 m Höhe liegt. Sie ist von großem künstlerischen Interesse, fast eine befestigte Kirche, die von ihrer außergewöhnlichen Position aus die ganze Valle di Susa beherrscht.

Der Lago di Viverone liegt auf 230 m Höhe, wurde von Moränen gebildet und hat eine Ausdehnung von etwa 8,50 qkm bei einer Tiefe von 50 m. An seinen Ufern sind zahlreiche prähistorische Fundstücke, vor allem aus der Bronzezeit, gefunden worden.
Viverone ist eine Stadt mit antiken Ursprüngen, wie auch die Fundstücke aus der Bronzezeit, aus der römischen Epoche und aus vorchristlicher Zeit beweisen. Heute ist die Stadt ein hübscher Reiseort.
Der Lago d´Orta (auch Lago Cusio genanntf) befindet sich auf 290 m Höhe, hat eine Ausdehnung von circa 18,5 qkm und eine maximale Tiefe von 143 m. In römischer Epoche war das Gebiet des Sees bewohrt und wurde dann Tteil eines langobardischen Herzogtums. Nachdem es sich im Besitz der Kirche und Mailands befunden hatte, wurde das Gebiet um den Lago d´Orta schließlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dem Königreich Sardinien zugesprochen.
Auf der Isola di San Giulio, im Zentrum des Sees, erhebt sich die antike und eindrucksvolle Basilica di San Giulio, in der man Fresken aus dem XV. Jahrhundert bewundern kann.
Orta San Giulio hat ein äußerst angenehmes und mildes Klima, das vom See bestimmt wird. Wir empfehlen einen Besuch des Palazzo della Comunitá aus dem XVI. Jh. sowie der Chiesa Parrocchiale aus dem XV. Jh.. Weniger als einen Kilometer entfernt liegt der interessante Sacro Monte, ein bewaldeter Hügel, auf dem sich ein religiöser Komplex bestehend aus etwa 20, dem Heiligen Franziskus geweihten, Kapellen erhebt, die zwischen dem XVI. und dem XVIII. Jahrhundert erbaut wurden und mit Fresken und Skulpturen dekoriert sind.
Der Lago Maggiore (oder auch Verbano) befindet sich auf 193 m Höhe und dehnt sich über 212 qkm aus. Seine Ufer gehören im Westen zur Region Piemont, im Osten zur Lombardei und im Norden zum Schweizer Kanton Tessin. Sein ganzjährig Klima erlaubt das Wachstum von mediterranen und exotischen Pflanzen, die in großer Anzahl in den umliegenden Gärten zu finden sind. Das westliche Ufer ist zweifelsohne das lebhafteste, das gleichzeitig die größte Anzahl von Vergnügungen bietet. Das eher nüchterne Ostufer, an dem sich auch die wichtigen Städte befinden, ist allerdings ebenso angenehm.
Cannobio ist ein kleines Städtchen am Seeufer mit zahlreichen architektonischen Sehenswürdigkeiten. Entlang der Seepromenade findet man den Santuario della Pietá aus dem zu Ende gehenden XVI. Jahrhundert sowie den Palazzo della Ragione aus dem XII.-XIII. Jahrhundert.
Von Cannero Riviera aus bietet sich eine Exkursion zu den Schlössern des Cannero und zum antiken Steindorf Carmine Superiore an.
Verbania besteht aus den beiden Städten Pallanza und Intra. Es bietet eine mittelalterliche Umgebung und ein herrliches Klima für einen Ferienort. Es war einer der bevorzugten Orte für den Sommerurlaub des Dirigenten Arturo Toscanini. Auf keinen Fall versäumen sollte man einen Besuch des Palazzo Dugnani aus dem XVIII. Jahrhundert, die für ihre Gärten bekannt ist (7 km Wege mit über 2000 Pflanzen).
Baveno zählte im vergangenen Jahrhundert wichtige Persönlichkeiten zu seinen Gästen, darunter auch die Chiesa Parrocchiale und das Battistero aus der Renaissance mit seinen wichtigen Fresken aus dem XV. und XVI. Jahrhundert.
Stresa ist eine kleine Stadt voller Villen und Gärten. Die bauliche Hauptentwicklung fand zwischen dem Ende des 18. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts statt. Die Seepromenade mit ihren eleganten Villen und dem Ausblick auf die Borromäischen Inseln ist ein eindrucksvolles Schauspiel. Die Inseln können von der Anlegestelle auf der Piazza Marconi aus, über der sich die neoklassische Chiesa Parrocchiale di Sant´Ambrogio erhebt, per Schiff erreicht werden. Sehenswert ist die Villa Pallavicino mit ihrem weitläufigen Park und dem Zoo mit freilaufenden Tieren. Stresa verfügt auch über ein funktionelles Kongreßzentrum.
Ein Besuch des Palazzo Borromeo auf der Isola Bella ist obligatorisch. Er ist berühmt wegen seiner reich geschmückten Säle, seinen Kunstsammlungen und seinem herrlichen italienischen Garten, der auf absteigenden Terrassen angelegt ist, die einen unvergleichlichen Ausblick bieten. Auch auf der Isola Madre erhebt sich ein Palazzo Borromeo (XVIII. Jh.), dessen Säle man besuchen kann. Im wunderschönen Botanischen Garten dieses Baus wachsen zahlreiche Arten exotischer Blumen und äußerst seltene Pflanzenarten. Besuchen sollte man auch die malerische Isola dei Pescatori.
Belgirate ist ein anmutiger Kurort und wegen seiner reichhaltigen Vegetation berühmt.
Arona ist das wichtigste Handelszentrum des Lago Maggiore und ein bekannter Kurort. In der Stadt, die über interessante Monumente und ein Museum mit beachtenswerten naturalistischen und archäologischen Sammlungen verfügt, werden auch wichtige Veranstaltungen abgehalten. Ausgangspunkt für Spaziergänge und Exkursionen ist vor allem die Statue von San Carlo Borromeo, auch San Carlone genannt. Man kann im Innern dieser Monumentalstatute hinaufsteigen, um das außergewöhnliche Panorama zu genießen.
Hier befinden wir uns bereits in der Lombardei. Laveno befindet sich in einem großen Einschnitt am Ostufer der Sees. Der Ort ist bekannt wegen seiner beleuchteten Unterwasserkrippe, die in der Weihnachtszeit bewundert werden kann. Wir empfehlen einen Ausflug auf den nahegelegenen Monte Sasso di Ferro, den man mit der Kabinenbahn oder zu Fuß erklimmen kann und von dem aus man eine herrliche Aussicht hat. Sehenswert ist auch der Santuario di Santo Caterina del Sasso, aus dem XIII. Jahrhundert. Im nur 3 km von Laveno entfernt gelegenen Cerro, das für seine Keramikproduktion bekannt ist, ist die Civica Raccolta di Terraglia interessant.
Der Historische Stadtkern von Luino hat noch den Aufbau eines antiken langobardischen Dorfes. Hier finden wir auch die Chiesa della Madonna del Carmine aus dem 15. Jahrhundert und San Pietro mit seinem romanischen Glockenturm. In der nahegelegenen Val Vedasca kann man noch alte Häuser mit einer typisch lokaken Architektur finden. Am Ende des Tals liegt der malerische Ferienort Maccagno.
Angera beherrscht gemeinsam mit dem nahegelegenen Ranco de südlichen Teil des lombardischen Ufers. Sehenswert ist die majestätische Rocca Borromea, die aufgrund ihrer Lage und ihres Museums von großem Interesse ist.
Wir fahren weiter durch die Lombardei und werden hier einige der wichtigsten und schönsten Seen der Region besuchen.
Der Lago di Varese ist umgeben von sanften Hügeln und bestimmt von einer kleinen Insel am Westufer mit dem Namen Isolino Virginia. Der See wird gespeist aus verschiedenen unterirdischen Quellen. Gegen Süden findet man mehrere kleine Straßen und Wege, die in ein Gebiet führen, das reich an Sumpfpflanzen und kleineren Seen ist.
Varese ist eine hübsche Stadt, die sich in einem grünen Gebiet mit zahlreichen Villen, Parks und Gärten erhebt. Die Stadt, die zahlreiche Monumente von großem Interesse aufzuweisen hat, ist Ausgangspunkt für Exkusionen im Bereich der Kunst und der Natur. Ziele sind dabei der Sacro Monte, der Monte Campo di Fiori mit seinem Observatorium (das besucht werden kann), der Lido di Varese und die Städtchen Luvinate, Voltorre, Bizzozzero und Bisuschio mit der schonen Villa Cicogna Mozzoni aus dem XVI. Jahrhundert, die von einem herrlichen Park umgeben ist.
Der Lago d´Iseo (auch Sebino genannt), hat sich auf dem Grund eines Gletschers der Val Camonica gebildet. Er liegt auf 185 m Höhe und nimmt eine Oberfläche von 62 qkm ein.