
Nichts gegen die berühmten Uferorte des Gardasees mit ihren romantischen Winkel und Zitronengärten. Die Surfer-Brisen bedienen hier Jahr für Jahr abertausende Fans. Zur unvergleichlichen Ferienregion freilich wird der alte "Benacus", wie der Gardasee unter den Römern hieß, erst durch die Fülle seiner Bergstraßen. Teilweise erst in den letzten Jahrzehnten entstanden (etwa als Kraft-werks-Zubringer), teils komfortabel erweitert alte Militärwege, erschließen sie eine überraschende herbe, zur Küstenzone kontrastierende Landschaft. Dass sie obendrein atemberaubende Panoramen fürs Auge und die Kamera liefern, versteht sich von selbst. Schließlich lagert der Gardasee - 52 Kilometer lang, im Süden 17, im fjordartigen Norden nur vier Kilometer breit - in einer Gegend der Superlative. Die richtige Urlaubsplanung sollte deshalb mit einem nachdenklichen Blick auf die Landkarte beginnen. Es macht nämlich einen ganz gewaltigen Unterschied, wo sich der Autoflaneur einquartiert. Besonders verkehrsgünstig wohnt er an der offenen Nordseite oder an der Westflanke, der sogenannten "Occidentale", die der Ausgangspunkt etlicher hochinteressanter Pass-Straßen ist. Um sich ein wenig einzukurven, könnte man diverse Terrassendörfer zwischen Limone und Tignale ansteuern. Voltino zum Beispiel, Vesio oder Serimo. Der Seeblick von der Kirche Madonna di Montecastello macht
Auf Anhieb verständlich, warum Winston Churchill vom "achten Weltwunder" gesprochen hat.
Solcherart auf den Gusto gekommen, hält man nach größeren Expeditionen Ausschau. Mindestens zwei davon sollte man sich unbedingt vergönnen: Erstens die klassische Höhentour über den Monte Baldo, beginnend in Mori, 20 Kilometer östlich von Torbole. Sie führt über Bentonico, Ferrara, Spizazzi und Caprino nach Garda oder Torri del Benaco. Geboren werden Blumen (Im Frühling Anemonen, Brunellen, Federlilinen, später Alpenrosen) in verschwenderischer Fülle, ferner zahlreiche Versteinerungen rote Ammonitenkalke – und ein Prachtblick von der Bocca Naven auf den markierten Wanderweg um die Felsenkirche Madona della Corona.
Die zweite Variante ist die ebenfalls schon klassische Vier-Seen-Fahrt Ledrosee zum Beispiel sind rekonstruiert Pfahlbauten von 1700 v.Chr. zu bestaunen. In Tiarno di spora erfreuen saftige Almwiesen mit Enzian.
Weitere Vorschläge gefällig? Ab Riva eröffnet sich eine romantische Sackgasse nach Pregasino, ab dem Valdi Ledro eine andere in die Valle del Concei. Von Lopio wiederum gibt’s eine bequeme Straße nach Ronzo-Chienis. Dort nimmt man die Abzweigung zum Passo Santa Barbara, lässt den Wagen vor einem Gasthaus stehen und erstürmt mit geringer Plage den Gipfel des Monte Creino.
A propos Gasthaus. Am Mittagsspeisezelt der Landschenke stehen Hirschragout, Rebhuhn mit Polenta nera und Spaghetti mit Hasensauce.