Wer nicht plump und respektlos erscheinen möchte, sollte nicht bei der erstbesten Gelegenheit die Du-Anrede benutzen. Ein lei klingt in römischen Ohren angenehmer. Unter Gleichgesinnten und Gleichgestellten ergibt sich meist schon bei der zweiten oder dritten Begegnung das Du - übrigens schneller von Mann zu Mann und von Frau zu Frau als zwischen Männern und Frauen.
sind ernst gemeint. Zurückhaltung beim Tafeln wird ebenso als Beleidigung empfunden wie ein späteres Beharren darauf, sich an der Rechnung beteiligen oder sie gar übernehmen zu wollen. Man klärt bereits vorab, wer zahlt. So lautet die Frage: »Gehen wir zusammen essen?« oder »Darf ich euch zum Essen einladen?«
Schnell den freien Tisch erstürmen? Oh, nein! Ein Gast verhalte sich wie ein Gast und lasse sich vom Gastgeber beraten, wo er angenehm sitzt. Auch dies läßt den Touristen eindeutig erkennen: Er hätte gern eine Speisekarte (und möchte vorher wissen, wie hoch am Ende die Zeche wird). Die Alternative: sich vom Gastgeber oder vom Ober über die Tagesspezialitäten beraten lassen. Geht man zu mehreren Essen, wird alla romana bezahlt: Der Ober bringt die Gesamtrechnung, den Betrag teilt man durch die Zahl der Teilnehmer, der jeweilige Anteil bemißt sich also nicht nach dem eigenen Verzehr.
Immer wieder verblüffend - bei jedem Einkauf, und sei es nur ein Apfel oder ein Bleistift, wird dem Kunden ein scontrino, ein Kassenzettel, aufgedrängt. Die italienischen Gesetze erlauben einen Verkauf ohne Steuerquittung nur in wenigen Ausnahmefällen (z. B. bei Briefmarken und Zigaretten). Mit den strengen Vorschriften soll der Steuerhinterziehung ein Riegel vorgeschoben werden. Der Erfolg ist zweifelhaft, doch bei Verstößen erhebt die Polizei drastische Bußgelder. Die können auch die Kunden treffen: Sie sind verpflichtet, ihren scontrino beim Verlassen des Ladens aufzubewahren und frühestens in 150 m Entfernung fortzuwerfen. In Restaurants und Hotels tritt an die Stelle des scontrino die ausführlichere ricevuta. Risikofreudige Wirte lassen die Gäste oft ohne Quittung ziehen; aber da man als Kunde mitverantwortlich gemacht werden kann, sollte man auf eine ricevuta bestehen.
Italiener sind temperamentvoll, aber sie legen zugleich Wert auf elegante Formen. Das gilt vor allem für die Kleidung. Als äußerst unfein gilt es in Italien, in Badekleidung in der Stadt herumzulaufen oder Restaurants (außer Strandcafés) aufzusuchen. In Venedig werden dafür sogar Bußgelder verhängt! In Kirchen sind die Kleidervorschriften besonders streng, vor allem für Frauen. Shorts und schulterfreie Blusen werden meist nicht gern gesehen. Man sollte diese Regeln mit Rücksicht auf die Einheimischen respektieren, selbst wenn man nicht damit einverstanden ist.
Ist in geschlossenen Räumen mit Publikumsverkehr gesetzlich verboten - am Arbeitsplatz, im Büro und in Amtsräumen, aber auch in Ladengeschäften mit offener Ware und in Espresso-Bars. Man tut es trotzdem.
Außer in den Bahnhöfen gibt es kaum öffentliche Toiletten (bagni oder cabinetti). Laut Gesetz müssen jedoch Bars auch Nicht-Kunden ihr Örtchen benutzen lassen, das daher mancherorts ungepflegt und schmutzig ist. Toilettenpapier sollte man immer bei sich haben.
Trinkgelder in Restaurants und Hotels sind zwar nicht unerläßlich, aber üblich. Der normale Satz beträgt im Restaurant etwa 5% des Rechnungsbetrags. Das Aufrunden mit »Stimmt so!« ist nicht gebräuchlich; man läßt das Geld beim Weggehen auf dem Tisch liegen. Mit Minibeträgen (unter 500 Lit.) macht man einen kleinlichen Eindruck. Es ist »vornehmer«, gar nichts zu geben, als drei Hunderter-Münzen zurückzulassen! Das gilt auch bei anderen Dienstleistungen